Fütterungsarten von Hunden und Katzen

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Bei unseren Groß- und Urgroßeltern war es noch gang und gäbe, die Haustiere einfach mit Essensresten zu füttern. Seit den 70er Jahren erfuhr die Fütterung immer mehr Bedeutung. Ein neuer Industriezweig war geboren. Das Wissen um eine gesunde Tierernährung nimmt ständig zu und damit unterliegt auch die Zusammensetzung von Fertigfuttermitteln einem steten Wandel. Hinzu kommt, dass sich immer mehr Menschen entscheiden, das Futter für ihr Haustier selbst zuzubereiten.

Jede Fütterungsart hat ihre Vor- und ihre Nachteile, birgt Nutzen ebenso wie Risiken. Genauso wenig wie es das eine Fertigfutter gibt, das für jedes Haustier passt, gibt es auch nicht die eine Fütterungsart, die für jedes Haustier und seinen Besitzer passend ist.

1. Fertigfutter

Herstellung und Anwendung von Fertigfuttermitteln ist gesetzlich ganz klar geregelt, ebenso welche Zutaten für die Herstellung von Hunde- und Katzenfutter verwendet werden dürfen. Noch immer kursieren Gerüchte, dass eingeschläferte Haustiere zu Futter verarbeitet werden. Dies ist natürlich Unsinn! Nur Fleisch- und Nebenerzeugnisse (wie Knochen oder Innereien) von tauglich geschlachteten Tieren, d.h. für den menschlichen Verzehr freigegeben, dürfen für die Herstellung von Fertigfuttermitteln verwendet werden. 

Die folgenden Definitionen sind in der EG-VO 767/2009 geregelt und jeder Futtermittelhersteller verpflichtet sich dazu, sie zu befolgen.

Alleinfuttermittel

Bei einem Alleinfuttermittel handelt es sich um ein Futtermittel für Hunde bzw. Katzen, das alle Hunde bzw. Katzen bedarfsdeckend mit allen Nährstoffen versorgt, d.h. den Welpen genauso wie den Senioren. Dabei wird stets von der Fütterung einer Menge ausgegangen, die den durchschnittlichen Energiebedarf eines Hundes bzw. einer Katze deckt. Bei alleiniger Fütterung ist das Tier mindestens bedarfsdeckend mit allen Nährstoffen versorgt.

Ergänzungsfuttermittel

Wie es der Name bereits vermuten lässt, dient ein Ergänzungsfutter zur Ergänzung der Ernährung bzw. müssen andere Futtermittel ergänzt werden, damit eine bedarfsdeckende Ernährung erreicht wird. Im Umkehrschluss bedeutet es, dass eine alleinige Fütterung von Ergänzungsfuttermitteln zu einem Nährstoffmangel führen wird. Bei Ergänzungsfuttermitteln handelt es sich z.B. um unmineralisierte Dosen mit Fleisch und Gemüse oder aber auch einem Mineral-Vitaminpulver oder Mischflocken.

Einzelfuttermittel

Ein Einzelfuttermittel ist ein Futtermittel, das aus nur einer Komponente besteht, z.B. Fleisch oder Eierschalen. Durch Kombination mit anderen Einzelfuttermitteln oder auch Ergänzungsfuttermitteln kann eine bedarfsdeckende Ration zusammengestellt werden.

Häufig ist es nicht leicht zu erkennen, ob es sich bei dem Futter, das man gekauft hat, tatsächlich um ein Alleinfuttermittel handelt. Und selbst das beste Alleinfuttermittel kann für das eigene Tier nicht bedarfsdeckend sein, wenn dessen Energiebedarf deutlich über vom Bedarf eines durchschnittlichen Tieres abweicht.

2. BARF

Das Akronym B.A.R.F. steht für „Bones And Raw Foods“, was soviel bedeutet wie Knochen- und Rohfütterung. Im Deutschen wird es meist als „Biologisch Artgerechtes Rohes Futter“ bezeichnet.

Ziel dieses Ernährungskonzepts ist es, den Hund bzw. die Katze möglichst naturnah zu füttern, d.h. in den Napf kommen die verschiedensten Bestandteile von Tieren – Muskelfleisch genauso wie Innereien und Knochen – zusammen mit Gemüse, Kräutern und Ölen. Die Zusammenstellung der Ration ist dabei einem Beutetier, wie es von Wölfen oder Katzen gefressen wird, nachempfunden.

Sollten Sie sich dafür interessieren, Ihr Tier zu barfen, helfe ich Ihnen gerne dabei einen abwechslungsreichen, naturbelassenen und dennoch ausgewogenen Futterplan zu erstellen.

3. Rohfütterung & Kochen

In früheren Zeiten war es Gang und Gäbe an Hunde und Katzen Essensreste zu verfüttern. Dies führte häufig zu Mangelversorgungen, da Hunde und Katze einen anderen Nährstoffbedarf als wir Menschen haben.

Trotz des breitgefächerten Angebots an Fertigfutter entscheiden sich auch heute noch viele Tierbesitzer, für ihr Haustier zu kochen. Die Vorteile liegen auf der Hand: man weiß, was im Napf landet, kann seinem Tier Abwechslung bieten, kann das Futter schonend zubereiten und es individuell auf sein Tier abstimmen.

Als Zutaten kann man beinahe alles verwenden, was das Herz begehrt: verschiedene Fleischsorten, Kohlenhydrate wie Kartoffeln, Nudeln, aber auch Amaranth oder Quinoa, Milchprodukte, Gemüse und Obst, u.v.m. Obwohl dieses Futter abwechslungsreich ist, fehlen viele Mineralstoffe und Vitamine, insbesondere Calcium und die fettlöslichen Vitamine sind hiervon betroffen. Um diese zu ergänzen, bietet der Markt eine Vielzahl verschiedener Vitamin- und Mineralstoffpräparate. Verzichtet man darauf, riskiert man eine mangelhafte Nährstoffversorgung bei seinem Haustier und damit auch schwere Erkrankungen.

Sollten Sie sich dafür interessieren, das Futter für ihr Haustier selbst zu kochen, helfe ich Ihnen gerne dabei. Ich erstelle Ihnen einen detaillierten Futterplan, der auf die Bedürfnisse Ihres Tieres und Ihre Wünsche eingeht und ergänzt wird mit einem passenden Mineral-Vitaminpulver.

4. Vegetarisch

Die Zahl der Menschen, die sich vegetarisch ernähren, steigt und viele Besitzer wollen auch ihr Haustier vegetarisch ernähren. Statt Fleisch und Innereien kommen Eier und Milchprodukte in den Napf. Da es sich hierbei um hochverdauliche Proteine handelt spricht zumindest bei Hunden nichts gegen eine vegetarische Ernährung. Genauso wie bei Kochrationen und Rohfütterung ist es essentiell, fehlende Mineralstoffe und Vitamine zu ergänzen. Sollten Sie sich für die vegetarische Ernährung Ihres Hundes interessieren, melden Sie sich gerne bei unserer Expertin (Dr. med vet Stephanie Schmitt).

Katzen sind hingegen reine Carnivoren (Fleischfresser). Mit einer größeren Menge Zusatzstoffe, insbesondere Taurin und fettlöslichen Vitaminen, könnte man den hohen Stickstoff und Aminosäurenbedarf der Katzen auch mit einer vegetarischen Ration auf Basis von Quark und Eiern decken, allerdings verweigern Katzen eine solche Ration in der Regel auf lange Sicht. Für Katzen rate ich von einer rein vegetarischen Ernährung ab.

5. Vegan

Statt aus Fleisch oder Milchprodukten stammen bei der veganen Ernährung die Proteine aus pflanzlichen Produkten wie Tofu, Kichererbsen oder Linsen. Den Protein- und auch den Aminosäurenbedarf kann man so in der Regel abdecken, allerdings fehlen viele essentielle Nährstoffe wie z.B. Vitamin B12, da dieses nur in tierischen Produkten vorkommt.

Durch den hohen Ballaststoffanteil in den veganen Proteinträgern kommt es auch häufiger zu Blähungen und vermehrtem Kotabsatz. Wie gut Hunde pflanzliche Proteinträger verdauen können, ist wissenschaftlich noch nicht geklärt. Aufgrund der größeren Menge pflanzlicher Bestandteile wird der Harn eher basisch, was die Entstehung von manchen Harnkristallen begünstigen kann.

Generell rate ich bei fleischloser Ernährung eher zu einer vegetarischen, statt einer veganen Ration. Sollten Sie sich dennoch für eine rein vegane Ernährung bei Ihrem Hund entschieden haben, helfe ich Ihnen gerne dabei, einen bedarfsdeckenden Futterplan zu erstellen. Ebenso überprüfe ich gerne die Eignung von veganen Fertigprodukten für Ihren Hund.

Bei Katzen ist von veganer Ernährung generell abzuraten, da ihr Organismus auf die Verwertung tierischer Produkte ausgerichtet ist.

Dr. med vet Stephanie Schmitt
Zusatzbezeichnung Ernährungsberatung für Kleintiere
Fachtierärztin für Tierernährung und Diätetik


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